Date: May 26, 2019

[Deutsche Version siehe unten]

Introduction

Urban public space – understood as open, civic space – is a key element in the development of European urbanism. It is based on a well-balanced mix of functions and the idea of the inhabitant as active citizen.

We currently face a transitional period of restructuring social networks in a globalised world. This is resulting in various experiments with new types of relations and exchange processes, supported by the developing interactive new media tools. In order to maintain the social sustainability of our cities, it is important to connect this new virtual space for development of public sphere and social exchange with the acquisition and reactivation of urban public space.

A spreading feeling of fear in public space connected with a notion of being disconnected from ones surroundings reminds us that virtual spaces cannot alone function as alternative spaces for exchange and production of identity in a modern society.

The content of media facades and digital moving Images in public spaces should not only be determined by market forces, yet should follow urban necessities. Therefore we aim to transform the growing number of digital architectural surfaces in our cities into experimental visual zone on the threshold of virtual and urban public space, contributing to a liveable urban society.

The changing architectural relationship between image, structure and representation has been long predicted by Architecture and Media critiques such as Paul Virilio und Robert Venturi.

Media façades can combine aspects of lighting and graphics in formats determined by the architecture, these might differ fundamentally in format, resolution and dimension from the rectilinear media image. Moving imagery has increasingly become interactive and emergent and often have to work without sound, so they question narrative storytelling known from other traditional media. Content can be synthesised from or driven by information from the environment, whether it be from within the building or from the outside world, or through channels such as the internet. In connection with locative and mobile media, new forms of content production can develop that create through participatory approaches new relations between the imagery and the surrounding urban space and its citizen.

There’s a growing need for the research of different creative contents that are able to make these new media for urban space vivid and attractive. Creatives in the different areas of media and culture are confronted with entirely new challenges in respect to resolution and distribution of pixels; there are also new forms of interaction arising from the specific dimensions of size and distance that differ basically from classical media formats. And how can we experiment with the element of audio, without constantly showering the open public space with sound?

It is very likely that new job descriptions and creative practices will emerge out of the new field of media architecture. It is still undetermined how roles for the production of content and displays will be distributed, and what standards can be applied for assessing projects. Building with media facades are a challenge for architects, creatives and planners, as they require a profound knowledge of the technical aspects, offer new design objectives and lead to new possibilities for communication in urban space.

The fact that the surface of a building and hence its character is subject of permanent change enables new relations with the local environment and the involvement of citizens in content manipulation.

The MEDIA FACADES FESTIVAL BERLIN is an important contribution for the emergence of a discourse among actors in the field and the development of trend-setting projects in order to avoid undesirable visual overload and to achieve a better acceptance.




Einführung

Öffentlicher Raum als gemeinschaftlicher Ort der Öffentlichkeitsbildung ist ein tragendes Element in der Entwicklung des europäischen Urbanismus. Er basiert auf einer ausgeglichenen Mischung von unterschiedlichsten Funktionen und der Idee des Bewohners als aktivem Bürger.

Derzeit befinden wir uns in einer Umstrukturierungsphase von sozialen Netzwerken, bewirkt durch moderne Kommunikationstechnologien und neue Medien. Um soziale Nachhaltigkeit und Urbanität der Städte zu erhalten wird es nötig, diese neuen Räume der Öffentlichkeitsbildung mit der Aneignung des realen Stadtraumes zu verknüpfen um dem wachsenden Gefühl der Entortung entgegen zu steuern. Austausch und Identifikationsbildung einer modernen Gesellschaft sollten nicht nur in virtuellen Räumen erfolgen, sondern auch im Stadtraum und sich dabei aktueller Medienformate bedienen können.

Die Inhalte von Medienarchitekturen und Bewegtbildern im öffentlichen Raum dürfen nicht allein von marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten bestimmt werden, sondern müssen urbanen Notwendigkeiten folgen. Daher haben wir uns zum Ziel gesetzt, die wachsende Anzahl von digitalen Bildelementen im öffentlichen Raum zu experimentellen Orten der Verknüpfung des digitalen Informationsraumes mit dem realen öffentlichen Raum zu entwickeln.

Medienfassaden bedeuten einen deutlichen Wandel im Verhältnis zwischen Gebäudestruktur, Fassadengestaltung und Repräsentation, die Architektur- und Medienkritiker wie Paul Virilio und Robert Venturi jahrzehntelang vorgezeichnet hatten. Nun werden sie sowohl technisch als auch wirtschaftlich realisierbar.

Medienarchitekturen kombinieren Grafik- und Lichtelemente in einer Weise, die sich hinsichtlich Format, Auflösung und Dreidimensionalität fundamental vom herkömmlichen Bild unterscheidet; Bildinhalt werden immer interaktiver und emergenter aber müssen oft ohne Ton arbeiten, sie stellen so narrative Erzählungen wie man sie von anderen Medien her kennt in Frage. Inhalte können in Echtzeit entstehen oder speisen sich aus Daten, die aus dem Gebäudeinneren, seiner Umgebung, aber auch aus dem Internet stammen können. Durch Verknüpfungen mit lokativen/mobilen Medien können neue Formen der Inhaltsproduktion und der Verbindung der Bildelemente mit dem erweiterten Stadtraum entstehen.

Es besteht ein wachsender Bedarf an der Erforschung unterschiedlichster, kreativer Inhalte, die dieses neue Medium im Stadtraum lebendig und attraktiv gestalten. Medien- und Kulturschaffende aus verschiedensten Bereichen sehen sich mit völlig neuen Auflösungen und räumlichen Anordnungen von Pixeln konfrontiert und auch die Interaktionsformen gestalten sich aufgrund von Größen- und Entfernungsdimensionen grundsätzlich anders als bei klassischen Medienformaten. Und wie kann mann mit dem sensiblen Aspekt “Audio” umgehen, ohne den öffentlichen Raum dauerhaft zu beschallen?

Es ist durchaus denkbar, dass durch Medienarchitekturen auch neue Berufsbilder und Gestaltungsformen entstehen. Noch ist die Rollenverteilung in der Produktion von Inhalten völlig unentschieden und welche gestalterischen Maßstäbe zur Bewertung von Projekten herangezogen werden können. Gebäude mit Medienfassaden stellen eine Herausforderung für Architekten, Kulturschaffende und Fachplaner dar, weil sie einerseits fundiertes Wissen um die technischen Aspekte erfordern und andererseits völlig neue Gestaltungsaufgaben darstellen und neue Möglichkeiten der Kommunikation im Stadtraum eröffnen. Der Umstand, dass sich die Oberfläche eines Gebäudes und damit auch sein Charakter permanent verändern kann, ermöglicht neue Beziehungen zum lokalen Umfeld und die Partizipation der Bürger an dessen inhaltlicher Gestaltung.

MEDIENFASSADEN FESTIVAL BERLIN ist ein klarer Beitrag, um den Diskurs zwischen den Akteuren und der Entstehung richtungsweisender Projekte zu unterstützen und um Fehlentwicklungen der visuellen Überreizung des Stadtraums zu vermeiden und so eine bessere Akzeptanz zu erreichen.